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Aquaplaning: Warum es ohne Vorwarnung passiert

Aquaplaning kündigt sich nicht an. Drei Faktoren entscheiden, ob es passiert, und zwei davon haben Sie selbst in der Hand.

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Nasse Fahrbahn mit stehendem Wasser unter bedecktem Himmel

Es dauert etwa eine Sekunde. Die Lenkung wird leicht, das Motorgeräusch verändert sich minimal, und für einen Moment hat das Fahrzeug mit der Fahrbahn nichts mehr zu tun.

Aquaplaning bedeutet schlicht: Der Reifen trifft auf mehr Wasser, als er verdrängen kann, und schwimmt auf einem Wasserfilm auf, statt den Asphalt zu berühren. Lenken, Bremsen und Beschleunigen fallen gleichzeitig aus, weil alle drei auf einem Kontakt beruhen, den es gerade nicht gibt.

Warum es passiert

Die Rillen eines Reifens haben genau eine Aufgabe: Wasser wegzuschaffen. Bei Tempo bleibt dem Reifen nur ein Bruchteil einer Sekunde, um das Wasser vor der Aufstandsfläche zu verdrängen und Gummi auf die Fahrbahn zu bringen.

Ab einer bestimmten Kombination aus Geschwindigkeit, Wassertiefe und verbleibender Profiltiefe schafft der Reifen das nicht mehr. Vor der Aufstandsfläche baut sich ein Wasserkeil auf, hebt den Reifen an, und der Kontakt ist weg.

Entscheidend ist, dass das eine Schwelle ist und kein allmähliches Nachlassen. Der Grip ist weitgehend normal, und dann ist er fort. Es gibt kaum Vorwarnung, weshalb die Antwort Vorbeugung heißt und nicht Fahrtechnik.

Drei Faktoren, zwei davon Ihre

  • Geschwindigkeit. Mit Abstand der wichtigste Faktor, denn die Zeit zum Verdrängen sinkt mit steigendem Tempo. Deutlich langsamer zu fahren ist das Wirksamste überhaupt.
  • Profiltiefe. Ein Reifen nahe der gesetzlichen Grenze verdrängt einen Bruchteil dessen, was ein neuer schafft. Genau hier klafft die größte Lücke zwischen legal und gut.
  • Wassertiefe. Nicht in Ihrer Hand, aber vermeidbar: Stehendes Wasser sammelt sich in Spurrillen, am Fahrbahnrand und in Senken, und das sieht man, wenn man darauf achtet.

Auch der Luftdruck spielt mit. Ein zu weicher Reifen verformt sich stärker, seine Rillen stehen nicht wie vorgesehen, und er verdrängt Wasser schlechter.

Wo das Wasser tatsächlich steht

Straßen sind so gebaut, dass sie entwässern, und wo das misslingt, ist ziemlich vorhersehbar, sobald man weiß, worauf zu achten ist.

Von schwerem Verkehr in die Fahrspuren gefahrene Spurrillen halten Wasser, weshalb die Radspuren oft schlechter sind als der Bereich dazwischen. Wasser sammelt sich außerdem am rechten Fahrbahnrand, wohin die Querneigung es leitet, und in Senken unter Brücken und am Fuß von Gefällen. Auf der Autobahn ist bei starkem Regen die linke Spur häufig die trockenste, schlicht weil sie weniger ausgefahren ist.

Auch die Gischt des Vordermanns ist ein Signal. Starke Gischt bedeutet stehendes Wasser und nicht bloß nasse Fahrbahn, und die vernünftige Reaktion ist, das Tempo deutlich vorher herauszunehmen.

Was in dem Moment zu tun ist

Alles Richtige ist unlogisch, weshalb es sich lohnt, es vorher gelesen zu haben.

  1. Nicht bremsen. Es gibt keinen Grip zum Bremsen, die Räder blockieren nur oder das ABS arbeitet ins Leere.
  2. Nicht ruckartig lenken. Zeigen die Räder beim Zurückkommen des Grips nicht dorthin, wo das Fahrzeug fährt, entsteht genau dann ein Schleudern.
  3. Sanft vom Gas gehen statt abrupt.
  4. Das Lenkrad gerade halten, so gerade es die Straße zulässt, und warten.
  5. Der Grip kommt meist innerhalb ein bis zwei Sekunden zurück, während das Fahrzeug langsamer wird. Dann ruhig tun, was nötig ist.

Die ganze Technik besteht aus Zurückhaltung. Fast jedes Aquaplaning, das schlecht endet, endet so wegen dem, was der Fahrer währenddessen getan hat, und nicht wegen des Aufschwimmens selbst.

Assistenzsysteme helfen hier nicht

Das gehört deutlich gesagt, weil viele Fahrer das Gegenteil annehmen. ABS, ESP und Allrad arbeiten alle damit, vorhandenen Grip zu verwalten.

Beim Aquaplaning gibt es praktisch keinen Grip zu verwalten, also kann keines davon etwas ausrichten. Allrad ist dabei besonders trügerisch: Er hilft beim Anfahren auf rutschigem Untergrund und leistet für das Anhalten und Lenken auf Wasser überhaupt nichts.

Was hilft, ist ausschließlich der Reifen und konkret seine Fähigkeit, Wasser zu verdrängen. Die kauft man mit Profiltiefe und mit Geschwindigkeit.

Profiltiefe und die gesetzliche Grenze

Das ist der praktisch wichtigste Punkt. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern ist eine Bußgeldgrenze und kein Maßstab für Nässeverhalten.

Die Wasserverdrängung lässt lange vor diesem Wert nach, und sie lässt im letzten Abschnitt der Profiltiefe am schnellsten nach. Ein völlig legaler Reifen kann deshalb dramatisch weniger Reserve gegen Aquaplaning haben als derselbe Reifen neu, und der Fahrer merkt davon auf trockener Straße nichts.

Deshalb wechseln viele vor der Grenze, und deshalb ist die Nasshaftung auf dem Reifenlabel der Wert, auf den es sich zu achten lohnt. Beides ist keine Übervorsicht, beides kauft genau das, was hier fehlt.

Fahren bei starkem Regen allgemein

Ein paar Gewohnheiten, die nichts kosten.

Vorher langsamer werden statt zu reagieren. Den Abstand deutlich vergrößern, denn Bremswege werden bei Nässe erheblich länger. Abblendlicht einschalten, damit man in der Gischt gesehen wird. Und den Tempomaten ausschalten, der auf einen Traktionsverlust anders reagieren kann, als Sie es täten.

Und prüfen Sie die Profiltiefe vor der nassen Jahreszeit statt während. Alles auf dieser Seite läuft darauf hinaus, ob ein Reifen Wasser bewegen kann, und das entscheidet sich lange bevor es regnet.

Häufige Fragen

Was ist Aquaplaning?

Der Reifen trifft auf mehr Wasser, als er verdrängen kann, und schwimmt auf einem Wasserfilm auf, statt die Fahrbahn zu berühren. Lenken, Bremsen und Beschleunigen fallen gleichzeitig aus, weil alle drei auf einem Kontakt beruhen, den es kurzzeitig nicht gibt.

Was tut man, wenn das Fahrzeug aufschwimmt?

Nicht bremsen und nicht ruckartig lenken. Sanft vom Gas gehen, das Lenkrad gerade halten und warten, bis der Grip zurückkommt, während das Fahrzeug langsamer wird. Fast jedes Aquaplaning, das schlecht endet, endet so wegen der Reaktion.

Wie stark beeinflusst die Profiltiefe das Aquaplaning?

Enorm. Die Rillen verdrängen das Wasser, ein Reifen nahe 1,6 Millimetern schafft also nur einen Bruchteil dessen, was ein neuer verdrängt. Die gesetzliche Grenze ist eine Bußgeldgrenze und kein Maßstab für Nässeverhalten.

Helfen ABS oder Allrad gegen Aquaplaning?

Nein. Alle diese Systeme verwalten vorhandenen Grip, und beim Aquaplaning gibt es praktisch keinen. Allrad ist besonders trügerisch, weil er beim Anfahren hilft und für Anhalten und Lenken auf Wasser nichts leistet.

Ab welchem Tempo tritt Aquaplaning auf?

Es gibt keinen festen Wert, weil es auf die Kombination aus Geschwindigkeit, Wassertiefe und Profiltiefe ankommt. Konstant ist, dass die Geschwindigkeit der wichtigste Faktor ist, deutlich langsamer zu fahren also am meisten bringt.

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